TIME OF STORMS

Without any doubt the times of new beginnings are those in which our heart, our head and our emotions wander through ups and downs and we set off straight away in a sailing boat into the high seas to discover new continents. We encounter some rough weather that tosses our boat back and forth and we fear that our boat will be torn apart. It groans and creaks, the wood bends under the heavy weight of the applied masses of water and the sails flutter threateningly violently in the storm, which they could snatch from us at any time. When we wake up in the morning after the storm, the sea has calmed down and we stick our heads out of our cabin to check the situation and feel the sun, which has smoothed the sea. Our sailing boat survived the storm and is now gliding along.

As I leave, I have to think about many an female adventurer who was exposed to far greater danger than I was. I devoured books with stories about women who were alone with far fewer opportunities than a man, sometimes incognito with little money, sometimes with a rich inheritance, and yet always bravely set out to follow their curiosity and their spirit of discovery. Undeterred by some male spots, explorers such as Jeanne Baret, Koncordie Amalie Nelle Dietrich or Alice Eastwood set out and were unshakable and passionate in their pursuit of knowledge and the discovery of new things. Every time my heart beats wildly when I follow their footsteps in books, because here I feel my own striving for new knowledge and my heart longs to do the same and set off into the distance.

Their stories gave me new courage when I sat withdrawn in my van and tried to survive some of the rough seas that had haunted me here in France. Far from my familiar surroundings, familiar faces and familiar language, in an open field where there was nothing, in the first three weeks I encountered severe problems that were easy to solve at home or would not have arisen in the first place. Taken on its own and in an environment that has grown over the years, every single problem would have been a manageable obstacle, but here in a foreign country it grew into a catastrophe that had the potential to blow up my project. And so it was those thoughts that always grasped the consequences and sometimes left me discouraged.

When my van finally wouldn’t start after a series of problems, I was desperated. But less because of the actual fact that my car was broken in an unknown dimension, but more because of the consequence that it means here. In Berlin I would have been annoyed that my car was apparently defective, but I had an apartment in which I can sleep, a car mechanic whom I could ask and explain the problem in the same language and I don’t have to rely on one car having to travel such a long distance to get home. I wasn’t alone there. The thoughts about the consequences often made me discouraged and even if I wasn’t in any dangerous country on the other end of the world, I had the feeling out here that I was fighting with the wild side for victory. Sometimes it felt as if this piece of earth that I had chosen wanted to check if I was really sure that I wanted to go through this and stay. A fight that had broken out over who had the best nerves and was more likely to hold out.

Charles Darwin coined a sentence that is often wrongly translated and thus misunderstood until this day. The historical sentence “Survival of the fittest.” seems to have become a guiding principle of our society as a deliberately misinterpreted wrong translation, in order to find in it a justification in mercilessly fighting for the top position in the tough competition and not forgiving weaknesses. Weaknesses appear like a blemish that robs us of our survival. Thrown into a situation like this, my adventure protests against this translation error with a good argument. Being able to stay here is not the result of my strength, but the result of my ability to adapt. The question that is raised here is a tough one about my flexibility and my instinct for taking the right action in a difficult situation that I was previously unfamiliar with. This challenge that awaits me here is not the big din but a feeling for how I move in difficult new situations in order not to fail. The storms of the high seas sound like the intimidation of an old life that wants to remind me that only the strong will win and I will lose in times of fear. A struggle against a socialization that often makes me discouraged. And so my departure is the search for a truth outside of what I have experienced in my life so far. Something new and growth is waiting for me out there and I have to follow the paths of adventure to find what I am looking for. Myself. Because who am I when the others are not here?


THE NEXT STORY:

HOW TO SURVIVE THE COUNTRY SIDE
„Why you need always a knife in your bag.“


| ZEIT DER STÜRME |
deutsch

Zweifelsohne sind die Zeiten des Aufbruchs und Neuaufbaus jene, in denen unser Herz, unser Kopf und unsere Emotionen durch Höhen und Tiefen wandern und wir in einem Segelboot gleich in die hohe See aufbrechen, um neue Kontinente zu entdecken. Dabei begegnen wir so manch rauem Wetter, das unser Boot hin- und herwirft und wir befürchten, dass unser Boot auseinander gerissen wird. Es ächzt und knarzt, das Holz verbiegt sich unter der schweren Last der aufgebrachten Wassermassen und die Segel flattern bedrohlich heftig im Sturm, der sie uns jederzeit entreißen könnte. Wenn wir des Morgens nach dem Sturm aufwachen, hat sich die See beruhigt und wir stecken den Kopf aus unserer Kajüte, um die Lage zu checken und spüren die Sonne, die das Meer geglättet hat. Unser Segelboot hat den Sturm überstanden und gleitet nun dahin.

Ich muss während meines Aufbruchs an so manche Abenteuerin denken, die weit größerer Gefahr ausgesetzt war als ich. Ich verschlang Bücher mit Geschichten über Frauen, die allein mit weitaus weniger Möglichkeiten wie ein Mann, manchmal inkognito mit wenig Geld, manchmal mit einer reichen Erbschaft gesegnet und doch immer mutig aufgebrochen waren, um ihrer Neugier und ihrem Entdeckergeist zu folgen. Unbeirrt von manch männlichem Spot brachen Entdeckerinnen wie Jeanne Baret, Koncordie Amalie Nelle Dietrich oder Alice Eastwood auf und waren unerschütterlich und leidenschaftlich in ihrem Streben nach Wissen und der Entdeckung von Neuem. Jedes Mal schlägt mein Herz wild, wenn ich ihren Spuren in Büchern folge, denn hier spüre ich mein eigenes Streben nach neuem Wissen und mein Herz verlangt danach, es ihnen gleichzutun und in die Ferne aufzubrechen.

Ihre Geschichten gaben mir neuen Mut, wenn ich in meinem Van zurückgezogen saß und versuchte so manch raue See zu überstehen, die mich hier in Frankreich heimgesucht hatte. Fern von meiner gewohnten Umgebung, bekannten Gesichtern und bekannter Sprache auf einem freien Feld, auf dem nichts war, traf ich in den ersten drei Wochen auf heftige Probleme, die zuhause leicht zu lösen gewesen oder erst gar nicht entstanden wären. Für sich einzeln genommen und in einer seit Jahren gewachsenen Umgebung wäre jedes einzelne Problem ein überschaubares Hindernis gewesen, wuchs aber hier in der Fremde zu einer Katastrophe, die das Potential hatte, mein Vorhaben zu sprengen. Und so waren es auch jene Gedanken, die immer die Konsequenzen erfassten und mich so manches Mal mutlos zurückließen.

Als mein Van nach einer ganzen Reihe von Problemen schließlich auch nicht mehr angesprungen war, bin ich fast verzweifelt. Aber weniger aus der eigentlichen Tatsache heraus, dass mein Auto in unbekannter Dimension kaputt war sondern mehr in der Folge, die es hier bedeutet. In Berlin hätte ich mich zwar darüber geärgert, dass mein Auto anscheinend defekt war, hatte jedoch eine Wohnung, in der ich schlafen, einen Automechaniker, den ich fragen und auch das Problem in der gleichen Sprache erklären konnte und war nicht darauf angewiesen, mit einem Auto eine so weite Strecke zurücklegen zu müssen, um wieder nach Hause zu kommen. Dort war ich nicht allein. Die Gedanken um die Konsequenzen machten mich oft mutlos und auch wenn ich in keinem gefährlichen Land am anderen Ende der Welt unterwegs war, hatte ich hier draußen das Gefühl, mit der wilden Seite um den Sieg zu streiten. Manchmal fühlte es sich an als würde dieses Stückchen Erde, das ich erwählt hatte, nun prüfen wollen, ob ich mir wirklich sicher war, das hier durchziehen und bleiben zu wollen. Ein Kampf, der darum ausgebrochen war, wer die beste Nerven hatte und eher durchhalten konnte.

Charles Darwin prägte einen Satz, der bis heute oft falsch übersetzt und dadurch missverstanden wird. Der historische Satz „Survival of the fittest.“ scheint als bewusst missinterpretierte Falschübersetzung zu einem Leitsatz unserer Gesellschaft geworden zu sein, um in ihm eine Rechtfertigung darin zu finden, im harten Konkurrenzkampf gnadenlos um die Spitzenposition zu fighten und dabei Schwächen nicht verzeihen. Schwächen erscheinen wie ein Makel, der uns um unser Überleben bringt. In eine Situation wie diese geworfen, protestiert mein Abenteuer mit einem guten Argument gegen diesen Übersetzungsfehler. Hier bleiben zu können, ist nicht die Konsequenz meiner Stärke sondern die Folge meiner Anpassungsfähigkeit. Die Frage, die hier aufgeworfen wird, ist eine knallharte Frage nach meiner Flexibilität und nach meinem Instinkt für die richtige Handlung in einer schwierigen Situation, die ich bisher nicht kannte. Diese Herausforderung, die hier auf mich wartet, ist nicht das große Getöse sondern ein Gespür dafür, wie ich mich in schwierigen neuen Situationen bewege, um nicht zu scheitern. Die Stürme der hohen See klingen wie die Einschüchterungsversuche eines alten Lebens, das mich daran erinnern will, dass nur der Starke gewinnt und ich Zeiten der Angst verlieren werde. Ein Kampf gegen eine Sozialisierung, die mich oft mutlos macht. Und so ist mein Aufbruch die Suche nach einer Wahrheit außerhalb von dem, was ich in meinem bisherigen Leben erfahren habe. Da draußen wartet etwas Neues und Wachstum auf mich und ich muss den Pfaden der AbenteuerInnen folgen, um das zu finden wonach ich suche. Mich selbst. Denn wer bin ich, wenn die anderen nicht da sind?